Ein guter Tag.

Perfektes Wetter für neue Kette und Kassette

Grünes Licht vom Hautarzt. Heute konnte ich endlich mal wieder guten Gewissens fahren. 5 Std. bei Nieselregen und krassem Eiswind. Über längere Zeit konnte ich meine Finger und Unterarme nicht mehr spüren. Gelohnt hat es sich dennoch!

Rückblickend sagt es sich natürlich immer leicht. „War doch gar nicht so schlimm.“
Dabei war es rein operativ gesehen schon ziemlich übel. Im Januar rockt man 150km doch nicht so einfach runter wie im Frühling oder Sommer. Spätestens in Bad Segeberg (nach 50km) hätte mir klar sein müssen, dass dieser Ritt nicht ganz ohne Risiko sein würde. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon komplett nass und durchgefroren.

Nur nicht länger verweilen, das ist extrem wichtig!

Dann folgte das zweite Drittel – ein hügeliges Gekreuze durch kleine Käffer und alle Windrichtungen. Teilweise fiel es mir sehr schwer, das Steuerrad zu halten. Immer wieder donnerte der Wind von der Seite auf meinen Rumpf oder vor den Bug. Kurz vor Lübeck und dann nochmal vor Bad Oldesloe musste ich absteigen. Ich hab meine Finger einfach nicht mehr gespürt, alles taub und meine Unterarme krampften bei jeder kleinen Bewegung. Kurz pinkeln, einmal in den Riegel beißen und zügig weiter. Nur nicht länger verweilen, das ist extrem wichtig!

Dann nochmal 50 Kilometer. Zum Glück kenne ich ab Oldesloe fast alle Straßen nach Hamburg sehr gut. Ich hatte mir zum Schutz vor dem Wind extra kleinteilige Nebenstrecken rausgesucht. Viel gebracht hat es nicht, die meisten Bäume sind noch kahl oder komplett runtergeschnitten. Beste Schneisen für den fiesen Püster. Also irgendwie weiter bis Bargteheide.

Als ich dann über Wulksfelde nach Duvenstedt reinkam, wusste ich, dass ich es packe. Aber schnell war ich nicht mehr. So ein müdes Gestampfe kenne ich gar nicht von mir. Anyway. Poppenbüttel, Ohlsdorf, Alsterdorf und tschüß…

Warum um alles in der Welt war das ein guter Tag?

  1. Das monatelange Arbeiten von zuhause bringt mich langsam an meine Grenzen. Die wenigen anderen Themen, die uns seit zwei Jahren beschäftigen… 🙁
    Einfach raus aus dem täglichen Trott. Einen neuen Reiz setzen. Stoff produzieren für die Geschichten am nächsten Lagerfeuer.
  2. Mein Fettstoffwechsel scheint noch ziemlich gut trainiert zu sein. Ich bin mit einer Banana und einem Riegel durchgekommen. Kein Hungerast.
  3. Mein Puls war immer im unteren Bereich. Keine Übersäuerung, keine Krämpfe.
  4. Die Lebensgeister waren zum Schluss zwar nur noch im Ansatz vorhanden, aber es hat gereicht. Ich hab es durchgezogen.
  5. Ich habe aufs Neue gelernt, dass man jede Tour sehr sorgfältig planen sollte. Vor allem im Winter.
  6. Und mir ist mal wieder mal bewusst geworden, welche Qua(h)litäten dieser Sport hat – und welche „Echtzeit-Komponenten“ beim Indoor-Fahren komplett fehlen. Wind, Regen, Verkehr, etc.
  7. Ach ja, nach so einer Tour – wenn man wieder aufgetaut ist – kann man bedenkenlos den Kühlschrank plündern.

Im Februar sind es hoffentlich ein paar Grad mehr, denn dann geht’s endlich wieder über die 200 Kilometermarke. 🙂

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